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Kino Delphi Deckenleuchte by Lilly Flowers |
Im
Kino Delphi, das mit der schönen Deckenleuchte, hatten wir heute unsere
ersten zwei Filme. Und dieses Mal gab es viel sprachliches
Mitteilungsbedürfnis. Ach, so ein Unterschied zu den dialogarmen
Filmen von gestern. Vor dem Film Kya hua is shahar ko? / What
Happened to This City? gab es
eine kleine Einführung durch eine Mitarbeiterin des Projekts „Living
Archive“, welches sich um die Digitalisierung und Restaurierung
dieser Dokumentation von 1986 bemüht hat. Vor zwei Tagen war der
Film in seiner gezeigten Form fertig gestellt worden. Die anwesende
Regisseurin Deepa Dhanraj erzählte, wie das Filmteam während der
Ausschreitungen zwischen Hindus und Muslimen im Jahr 1984 unterwegs
war, um diese Zeit der Konflikte aufzunehmen. Deepa Dhanraj benennt
es als zeigen des Aufkommens faschistischer Gruppen in der Stadt
Hyderabad. Muslime und Hindus greifen sich, nach jahrelangem
nebeneinander leben, an. Polizei und Politik fällt nichts besseres
ein, als tagelange Ausgangssperren zu verhängen. Damit werden die
Menschen von ihren Arbeitsplätzen und dem Lebensmitteleinkauf
abgeschnitten. Es gibt einige Tote und Geschäfte werden geplündert
und angezündet. Obwohl wir uns sehr weit entfernt von dem Ort und
der Zeit fühlen, fängt uns der Film mit seiner intensiven Realität
ein.
Nach
dem Film durften wir gleich sitzen bleiben und auf Terra de
ninguém / No Man's Land
warten. Vor ein paar Jahren hatte uns ein Lissaboner Jurist erzählt,
er schreibe ein Buch über die Geschichte Portugals. Wir waren
begeistert, da uns das Ende als Kolonialmacht, die Nelkenrevolution
und die Aufarbeitung dieser Geschehnisse im Zusammenhang mit der
Militärdiktatur immer unklar geblieben war. Doch als wir den
zukünftigen Autor danach fragten, kam ein entschiedenes „aber
nein“, niemals würde er über diesen Teil der Geschichte
schreiben, dass sei ein viel zu heißes Eisen und kein Thema, über
das jemand in Portugal sprechen wollen würde. Und jetzt dieser Film.
In kurzen Sequenzen, die über fünf Tage gezählt werden, erzählt
ein Mann, in einem leeren Haus auf einem Stuhl sitzend, aus seinem
Leben. Er berichtet von seinen Gräueltaten während seiner
Stationierung in der portugiesischen Kolonie Angola, seinen Jobs als
Söldner, Leibwächter und Auftragsmörder. Und zum Schluss des
Filmes erfahren wir, dass er ein Obdachloser ist, der unter einer
Eisenbahnbrücke lebt. Er hat so faszinierend erzählt, doch stimmt
das, was er gesagt hat? Wem glauben wir welche Geschichte? Wo ist
hier die Wahrheit? Eine tolle Doku.
Nachdenklich
fahren wir zum Cubix am Alex und treffen auf Burn it up
Djassa, ein Film der bei der
jungen Bevölkerung der Elfenbeinküste als lustiger Film sehr gut
ankommt, wie der Produzent nach dem Film erzählte. Sie haben mit
einem kleinen Budget in kurzer Zeit gedreht und freuen sich, dass sie
bei vielen Festivals eingeladen werden. Erzählt wird eine typische
Geschichte des Landes, wie uns der Produzent erzählt. Leider
konnten weitere Mitglieder des Filmkollektivs noch nicht anwesend
sein, da es Einreiseschwierigkeiten gab...ach ja, wieder mal die
Behörden. Der Film erzählt die Geschichte einer Familie ohne Vater,
die Mutter ist nicht anwesend und der als Polizist Arbeitende kümmert
sich um seine Schwester und den Bruder. Jung und noch nicht bereit,
sich einzupassen, kommt es zum Brudermord. Ein guter Film und ein
sympathischer Produzent.
Das
Gleiche gilt für die Crew und den Cast des nächsten Films, La
Plaga / The Plague. Nach dem
Film waren sie glücklich zu zwölft auf dem Podium, wir haben es
ihnen gegönnt. Vier Jahre hat es gedauert, bis der Film nun zu uns
kam. In der ländlichen Umgebung von Barcelona haben die Protagonisten
viel von sich selbst gespielt: eine Altenpflegerin, ein Landwirt, ein
Hilfsarbeiter und die alte Nachbarin, die ins Pflegeheim musste. Ihr
Leben greift ineinander und manchmal läuft es nicht so schlecht,
dann wieder schlechter. Doch kleine Freundschaften und Zuneigungen
helfen in einem Leben, das aus dem Leben leben besteht.
Wir
sind sehr glücklich mit unserer heutigen Auswahl und gehen nun mit einem satten Gefühl ins Bett, um uns für morgen zu wappnen.
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