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Bänke zwischen Kino und Kino by Lilly Flowers |
Wie
schon die letzten Tage, war heute auch wieder viel Landschaft in
unserem Programm. Zuerst tauchten wir mit Sto Lyko / To the Wolf
in regnerische griechische Berge mit schönen Aufnahmen von nebeligen
Wäldern und älteren, noch in den Bergdörfern lebenden, Menschen ein.
Seit 2010 haben die beiden Regisseure Christina Koutsospyrou und Aran
Hughes die Menschen aus dem Dorf des Vaters von Christina begleitet.
Überaus aufgeschlossen dieser Dokumentation gegenüber, zeigten sie
viel von ihrem einfachen Leben des Arbeitens, Rauchens, Streitens und
Trinkens. Die tristen Zustände dieser noch dort lebenden älteren
Bevölkerung fängt der Film in liebevoll gemalten Bildern ein. Arm
und nicht besonders geschickt im Umgang mit Geld, versuchen sie, ihr
seit Jahrzehnten gewohntes Leben gemeinsam zu meistern. Ein schönes
Portrait, dass die griechische Krise nicht als Hauptbezugspunkt
nutzen möchte, sie jedoch im Hintergrund mitschwingen lässt.
In
das Japan nach dem Erdbeben führt uns Senzo ni naru / Roots
von Kaoru Ikeya. Er porträtiert den 79-jährigen Naoshi, der in den
Fluten des Tsunami seinen Sohn verloren hat. Sein Haus wurde jedoch
nur bis zum 2. Stock überflutet und ist sonst stehen geblieben. Er
möchte dort weiter wohnen und seinem Sohn gedenken. Sehr agil und
drahtig, arbeitet er immer wieder als Holzfäller, sägt sehr gekonnt die
beschädigten Bäume um und entschließt sich letztendlich doch,
aus diesen Bäumen ein neues Haus für sich zu bauen. In dieser Dokumentation
erzählt der Protagonist Naoshi freizügig von sich uns seiner
Widerspenstigkeit, die ihn sein Leben lang geprägt hat und während
der Dreharbeiten dazu führt, dass ihn seine Frau verlässt. Doch wie
der Regisseur nach dem Film so schön sagt, wer weiß, was daraus
noch wird. Er wollte mit dieser Dokumentation den Aufbruch nach dem
Tsunami und Fukushima zeigen, deshalb hat er andere Bilder gesucht und
dabei diesen vor Leben sprühenden älteren Herrn gefunden.
Zuerst
hatten wir ja noch etwas bedenken, in einen Film über einen
Künstler, der von dem Neffen des Künstlers gedreht wurde, zu gehen.
Doch glücklicherweise haben wir es getan und uns über den
titelgebenden Hélio Oiticica informiert. Na ja, informiert,
wir konnten in die vielen Formen seines unterschiedlichen Schaffens
einblicken und bekamen geradezu Lust, auch mal Kreativität
auszuprobieren. Doch er hat es gemacht und uns viele Blickwinkel
hinterlassen, aus dessen Material große Teile des Films stammen.
Regisseur Cesar Oiticica Filho erzählt uns, dass es nicht so einfach
war, die brasilianische Geschichte mit seiner Militärdiktatur in den
Film einzuweben. Von dieser Zeit gäbe es nichts in den
brasilianischen Archiven und so hätte er sich mit Eisenstein
ausgeholfen. Zu Anfang des Film sieht man, wie der Künstler sich in
einer anarchistischen Gruppe engagiert. Im Abspann sind die vielen
Film- und Kunstzitate aufgelistet, sehr spannend, da hätten wir gerne eine
Liste davon. Und nebenbei noch was zum erfreulichen Abspann: kein Petrobras als
Sponsor.
Und
jetzt dachten wir, ach, Sardinien, so eine schöne Insel kann doch
nicht einmal vom größten europäischen Waffenerprobungsgelände in
Mitleidenschaft gezogen werden. Nicht wirklich und doch auch, man
sieht es nicht. Wenn es knallt und explodiert, hört man es
vielleicht. Doch die Radioaktivität im Boden und in den Tieren und
Menschen, sieht man nicht. Das kennen wir auch seit Tschernobyl. Doch
die Menschen dort erleben es ohne Hilfe seitens des Militärs, und
wir, wollen wir diese Waffen überhaupt? In Materia Oscura / Dark
Matter wird ohne Kommentar dokumentiert, wir sehen wieder viel
Landschaft, die auch mal in die Luft geht. Wie die Regisseure Massimo
D'Anolfi und Martina Parenti an die blockbustermäßigen
Archivaufnahmen des Militärs gekommen sind, hätte uns noch
interessiert, doch leider mussten sie bereits vor Ende des Films zum
Bahnhof.
„Filme
sind nicht da, um etwas zu erklären, sondern um zu verwirren“,
diesen Satz haben wir heute aus dem Arsenal mitgenommen. Ja, gerne doch, sagen wir dazu, wenn die Verwirrung bei uns ankommt und wir
darüber zu Erkenntnissen gelangen.
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