Samstag, 11. Februar 2012

Unser Tag "Eins"

Image by Lilly Blume
Freitag früh, unser Tag "Eins" der Berlinale. Trotzdem natürlich morgens vor den Filmen anstehen für die Karten für  Montag. Ein glückliches Gesicht zeigte die Frau, die bereits um 6 Uhr morgens als Erste in der Kälte vor dem International wartete und dann ihre vier Karten an der Kasse bekam. Wir mussten dann noch vierzig Minuten weiterschlängeln, bis wir unsere in der Hand halten konnten. Dann nochmal nach Hause, unseren Berlinale-Plan überprüfen, die Nummern für den nächsten Morgen raussuchen, Kaffee trinken und los zum ersten Film. Das war dann eine kleine Sozialkomödie aus der Retrospektive: Dewuschka s korobkoi. In diesem Film von 1927 war alles drin, was auch Hollywoodkino ausmacht: Verwicklungen der Liebe, ein hübsches armes Mädchen, die große Stadt (Moskau) und das Landleben, eine Waise lebend bei dem geliebten Großvater. Ihr ehemaliger Arbeitgeber will sie betrügen, doch sie kommt gerade deshalb zu viel Geld und muss nun ihren Geliebten überzeugen, dass sie trotz ihres neuen Reichtums nur ihn haben will. Und zum Schluss bekommt auch der verschmähte Liebhaber von dem glücklichen Paar einen Kuss auf die Wange.

Danach gab es nochmal viel Landschaft zu bewundern, dieses Mal ohne Schnee und in Farbe und aus dem Süden der Türkei: Tepenin Ardi. Beeindruckend standen alle Beteiligte des Films nach der Vorstellung in einer langen Reihe vor der Leinwand. So intensiv die Darsteller ihre Rollen ausgefüllt hatten, so unaufgeregt standen sie nun da. Die Handlung drängte ein paar Mal die Metaphern schon augendrehend deutlich auf - armer Mann, zehn Jahre ohne Sex und jetzt kann er seine Schwägerin zwingen, denn diese patriarchale Gesellschaft läßt ihr keine Wahl? Doch die kleinen Ängstlichkeiten, die immer wieder in den Gesprächen, der mit ihrer Männlichkeit kämpfenden Mitglieder der Familie auftauchen, erschrecken auch uns: zwei kullernde Steine liesen uns die Hände in den Sitz krallen. Der Regisseur Emin Alper sagte, er wollte im kleinen familiären Kreis zeigen, wie Gesellschaft funktioniert. Wir hoffen, dass die im Film offen gelassenen Geschichten in der realen Gesellschaft nicht so böse enden, wie der Film mit dem Marsch der Männer auf den Berg suggeriert.

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